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Techniken

Die Techniken des Künstlers

Die selbst gewählten oder gestellten Aufgaben künstlerischer Gestaltungen im Öffentlichen oder privaten Raum stellen für den Künstler Herausforderungen in vielfältigem Sinne dar.

Stets sind die Rahmenbedingungen, die Menschen, der Ort, der Zweck, die Architektur, selbst die klimatischen Bedingungen Voraussetzungen, die bedacht werden wollen.

Diese Bedingungen prägen die Überlegungen, in denen die ersten Entwürfe entstehen.

Elementare Unterschiede in den thematischen Ausrichtungen bestehen naturgemäß zwischen der Gestaltung einer Kirche, einer Schule, einer Behörde, einer Bank oder eines Privathauses.
Die Vielfalt der gestalteten Aufgaben ist damit bei Weitem nicht erschöpft.

Die Fragen, wie eine künstlerische Intention am Besten zu verwirklichen ist, bestimmt schließlich die Wahl der künstlerischen Technik. Doch auch die Kosten der Verwirklichung sind von Bedeutung.

Meine persönliche Überzeugung war stets, daß ich als Künstler die Techniken selber beherrschen sollte, mit denen ich meine Vorhaben verwirklichen möchte. Das erfordert die handwerkliche Kenntnis zahlreicher Disziplinen und eine fortlaufende Weiterbildung und Entwicklung des beruflichen Wissen.

In der Arbeit des Bildhauers bedeutet das zum Beispiel im Bereich der Skulptur die Fähigkeit, mit den Materialien Holz, Naturstein, Marmor umzugehen; Die Plastik erfordert alle Kenntnisse in der Verarbeitung von Ton, Wachs, Gips, Beton oder Bronze. Weitere Objekte verlangen die Kenntnisse der Verarbeitung von Kunststoffen, Polyesterharzen, Kupfer, Messing und Edelstahl.

Besondere Herausforderungen bestehen in großen Räumen und an Architekturaufgaben. Lichtführungen geben jedem Raum ganz entscheidende Wirkungen. Sie zu planen gehört zu den schönsten und schwierigsten Aufgaben. Erst mit der Komposition vieler Einzelwirkungen lassen sich oft Gesamtwirkungen erzielen.

Eine ideale Voraussetzung ist es, die Verwirklichung der Vorstellungen im eigenen Atelier ausführen zu können. Das ist auch der Grund, weshalb ich in vielen Techniken im Laufe der Jahre sehr spezielle, eigene Verfahren entwickelt habe, um meine Absichten so präzise wie möglich zur Ausführung zu bringen.

So sind z.B. Fenster aus Dickglas entstanden, die durch besondere, sehr schwierige Verfahrenstechniken eine außerordentliche Brillanz, große Spannweiten und enorme Festigkeiten haben. Das macht eine Zusammenarbeit mit der modernen Chemieindustrie erforderlich.


Die Malerei stellt einen Kosmos eigener Herausforderungen und Möglichkeiten dar, in dem neben den Kenntnissen der alten Techniken auch experimentelle Arbeiten ihren Platz haben. Zu all den genannten Techniken kommen noch textile Gestaltungen von Wand - und Bodenteppichen.

Einen großen Umfang nehmen die graphischen Künste ein, die ebenso durch neue oder weiter entwickelte Techniken im Gesamtschaffen einen besonderen Platz einnehmen.


Mosaiken sind durch meine Entwicklung neuer Techniken wie den Mosaikplastiken oder den Mosaikobjekten zu einer Wirkung gesteigert worden, wie sie früher nicht denkbar waren. Am Beispiel eines Mosaikobjektes will ich die wichtigsten Stationen der Entstehung erklären.
Vor allen kunsthandwerklichen Arbeiten steht der Entwurf. Er entsteht in der Abwägung aller Wirkungen, die ich zu erzielen trachte. In oft mehreren Entwurfsskizzen kläre ich die Möglichkeiten, bis das Ergebnis mich zufriedenstellt. Dieser Entwurf wird schließlich in der gewünschten Originalgröße angefertigt. Schon in diesem Konzept müssen alle wichtigen Details berücksichtigt sein, die Größe der einzelnen Elemente, die Wirkungen, die diese aufeinander ausüben, ihre plane, ebene Struktur oder die konkave oder konvexe Form. Die technische Verbindung dieser Elemente zu einem Ganzen und die Verbindung zu weiteren Werkdetails gehören dazu.

Zunächst erfordert die Zusammenstellung der verschiedenen Materialien und das Zusammenwirken der unterschiedlichen Farben gerade in diesem Medium eine besondere Kenntnis. Die wichtigsten Bestandteile sind Glassmalten, die nach meinen Farbangaben in einer Glashütte in Murano bei Venedig gegossen werden. Nach der Lieferung von Gußproben wird der endgültige Guß von mir frei gegeben.

Die Glasplatten, die dabei entstehen, sind in ihrer Stärke festgelegt. Sie werden in den von mir gewünschten Stärken, Breiten und Längen manuell zu kleinen Mosaiksteinchen geschlagen und erhalten schon bei diesem Vorgang ihre charakteristische Oberfläche, die in unzähligen Facetten später das Licht aufnehmen und zurück werfen.

Das ist also das kostbare Rohmaterial, mit dem ich dann meine weitere Arbeit im eigenen Atelier und oft unter der Mitwirkung meiner Frau beginnen kann. Sehr sensibel muß die Wirkung ausbalanciert werden, mit denen die Farben des facettierten Glases aufeinander einwirken. Oft erfordern größere Mosaiken ein sehr großes Lager an Glassmalten.

Für die einzelnen Werkstücke werden nun zunächst spiegelbildliche Negativformen hergestellt, in denen diese gefertigt werden. Diese Formen tragen im Entstehungsprozeß die sorgfältig manuell gelegten Glassmalten, die in Ihrer Verarbeitung mit Werkzeugen aus Widiastahl in die letzte Form und Größe gebracht werden.

Die einzelnen Werkflächen werden danach in einer Weise stabilisiert und gehärtet, die zu den zahlreichen eigenen Entwicklungen gehört.

Nachdem die nur einmal verwerteten Negativformen entfernt werden, können die einzelnen Werkteile in sehr schwierigen Verfahren zu einer Gesamtwirkung zusammengefügt werden.

So entsteht durch die Verbindung von Idee und technischen Fähigkeiten ein Kunstwerk, daß in seiner Wirkung einmalig ist. Andere künstlerische Absichten wie etwa die Schaffung großer Wandmosaiken erfordern andere Kenntnisse und Methoden, um in der heutigen Zeit eine über fünftausend Jahre alte Technik zu modernen und faszinierenden Wirkungen zu führen.

Diese Schilderung mag einen Eindruck von der Vielfalt künstlerischer Techniken geben.


Werner Jakob Korsmeier, im Juni 2005

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